900 Meilen

Originaltitel: 900 Miles
Autor: S. Jonathan Davis
Genre: Horror / Zombies
Umfang: 280 Seiten
Veröffentlichung: 24.04.2014
Verlag: Luzifer Verlag

Der neue Roman 900 Meilen erzählt eine Zombiegeschichte der alten Schule; Wie aus dem Nichts kommt ein Virus auf die Erde und verwandelt die Menschen in fleischfressende Monster, also Zombies. Im Mittelpunkt steht der Geschäftsmann John, der in Manhatten beruflich unterwegs ist. Mitten in einem Treffen mit seinen Arbeitskollegen wird New York von Zombies überrannt und er will nur noch in die Südstaaten zu seiner schwangeren Frau zurückkehren. Mit der Hilfe des Sicherheitsmannes Kyle flüchtet er aus der Stadt und findet ein binnen weniger Stunden von blutrünstigen Horden überranntes Amerika wieder.

Der Roman funktioniert wie ein Roadmovie. Ständig sind die beiden Helden neuen Personen und Gefahren ausgesetzt. So sind weniger die Zombies gefährlich, viel mehr sind es sadistische Dorfgemeinden, schiesswütige Polizisten und mächtige Geschäftsmänner, die ihre Macht ausnutzen. So geraten die beiden in einen Hinterhalt, müssen in einer Arena kämpfen und mit einem riesigen Hummer durch Zombiemassen brettern, um sich dann mit Hammer und Maschinengewehr in das Schlachtgetümmel zu stürzen.

Die Charakterzeichnung ist nicht besonders stark, aber völlig in Ordnung. Sowohl der Ich-Erzähler als auch sein Freund werden einem auf Anhieb sympathisch. Auch die Nebencharaktere werden toll beschrieben.

Die Passagen sind abwechslungsreich und zumeist spannend. Viele Elemente kennt man schon aus anderen Filmen und Büchern – aber da es im Zombiegenre fast schon alles gegeben hat, ist das zu verzeihen. Ein großes Lob geht an die gute Mischung mit ihren vielen Wendungen. Der Spannungsbogen wird schon auf den ersten Seiten angezogen und besteht bis zum Ende, keine Passage ist langweilig oder unnötig. Das Zitat auf dem Umschlag „Popcorn Kino im Buchformat“ trifft voll und ganz zu, wobei die Qualität hier höher ist als die von vielen neuen Zombiefilmen.

Da das Zombiegenre mittlerweile auch für Jugendliche geöffnet wird, stellt sich die Frage nach der Gestaltung. Während manche Zombiemedien unblutig und eher spannend sind, bleiben andere der Tradition treu und zeichnen sich durch einen hohen Splattergehalt aus. In diesem Buch wird ein guter Kompromiss getroffen. Einige Szenen sind blutig, aber der Fokus liegt auf der Spannung. Die Zombies werden explizit beschrieben und mit allen möglichen Mitteln umgebracht, aber das Töten wird nie zum Selbstzweck. Im Vordergrund steht immer der Überlebenskampf der beiden Protagonisten, die sich oft aus den verzwicktesten Situationen kämpfen müssen.

Das Einzige, was man an dem Buch bemängeln könnte, ist der fehlende Tiefgang. Während sich viele Zombiefilme, allen voran die von George A. Romero, politischen und gesellschaftlichen Problemen widmeten, geht es in Filmen und Romanen wie diesem hier einzig um die Spannung. Dass dabei sowohl die Charakterzeichnung als auch der Anspruch zurückstecken, sollte potentiellen Käufern des Buches bewusst sein. Das ist kein Manko. Ein so hohes Tempo und so viele nahtlos aneinandergereihte spannende Passagen wären nämlich nicht möglich gewesen, hätte man noch auf eine tiefgehende Aussage und vielschichtige Charaktere gesetzt.

Mich hat 900 Meilen sehr positiv überrascht. Die etwas knappe Inhaltsangabe versprach zuerst nichts Aufregendes. Aber letztendlich hat man hier einen durchgehend spannenden und temporeichen Zombieroman mit sympathischen Charakteren und einer abwechslungsreichen Geschichte. In Sachen Gewaltdarstellung, Charakterzeichnung und Anspruch sind andere Romane wie zum Beispiel Puls (Stephen King) stärker, dafür punktet dieser mit einem extrem hohen Spannungsfaktor und einem Tempo, wie nur wenige Horrorbücher es haben.

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