Beutezeit

Originaltitel: Off Season
Autor: Jack Ketchum
Genre: Horror
Umfang: 285 Seiten
Veröffentlichung: Oktober 2007
Verlag: Heyne Hardcore

Beutezeit erschien in den USA bereits 1980, allerdings in einer stark gekürzten Fassung. Der Roman des kompromisslosen Autors Jack Ketchum wurde vor sieben Jahren ungeschnitten neu aufgelegt, und die harte Slasherkost weiss auch nach so langer Zeit immer noch zu schocken.

An der Ostküste der USA verbringen drei Pärchen ein Wochenende. Kurz nach ihrer Ankunft treffen sie auf eine Gruppe Hinterwäldler, die seit einigen Generationen von der Zivilisation abgeschnitten sind und sich zu Kannibalen entwickelt haben.

Die Geschichte ist so einfach wie effektiv – die Thematik, welche die Grundlage für heutige Backwoodslasher wie „Wrong Turn“ bildet, hat Jack Ketchum vor mehr als dreissig Jahren anspruchsvoll zusammengefasst. Erschütternd ist das Bild von einer archaischen Gesellschaft, die ohne Wert- und Moralvorstellungen funktioniert. Alle Protagonisten landen mehr oder weniger in der Steinzeit und sollen aufgefressen werden. Ketchums Bild von der Grundlage des Menschen ist denkbar düster.

Die ersten Passagen des Buches sind noch ruhig, wenn auch genug Anspielungen auf die späteren Horrorszenen gemacht werden. Jeder Charakter wird eingehend beschrieben, anders als in literarischen und filmischen Konsorten verkommt hier niemand zum kreischenden Kanonenfutter. Einige zynische Anspielungen des Autors verschärfen das Geschehen noch. Die nach aussen hin so sauberen Personen werden spätestens im Schlafzimmer bei brutalen Sexszenen zu eben den Monstern, denen sie später noch begegnen.

Das Geschehen ist knapp, aber sehr explizit beschrieben. Auch wenn der Horror anspruchsvoll ist und von Größen wie Robert Bloch und Stephen King in höchsten Tönen gelobt wurde, ist der Klimax sehr einfach. Es passiert nicht viel mehr als in üblichen Filmen wie „Wrong Turn“ oder Büchern wie „Verkommen“ von Bryan Smith. Durch die tiefgehenden Beschreibungen von den Charakteren und Gewalttaten erlebt man das Geschehen als Leser jedoch ganz anders. Man kann so ziemlich jeden Slasher mit einer ähnlichen Thematik konsumieren, ein so schauriges Gefühl wie hier wird man nicht erleben.

Die Geschichte um die brutale Hinterwäldlergruppe wird übrigens in den Büchern „Beutegier“ (2009) und Beuterausch (2011) fortgesetzt. Letzterer wurde 2011 unter dem Titel „The Woman“ verfilmt.

Schnell, brutal, kulturpessimistisch und sehr spannend – einen besseren Slasher in Buchform findet man nicht so schnell. Viel mehr muss man zu Beutezeit nicht sagen. Von unserer Seite gibt es eine klare Leseempfehlung!

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