Cry Baby – Scharfe Schnitte

Originaltitel: Sharp Objects
Autor: Gillian Flynn
Genre: Psychothriller
Umfang: 332 Seiten
Veröffentlichung: 08.01.2014
Verlag: FISCHER Scherz

Die Verfilmung von „Gone Girl“ (05.02.2015, 20th Century Fox Home Entertainment) hat der Autorin Gillian Flynn in Deutschland zu großer Bekanntheit verholfen. Cry Baby („Sharp Objects“) ist ihr erster Roman, der nun neu aufgelegt wurde. Ihr Durchbruch kam zwar erst mit „Gone Girl“, aber auch dieser ist ein bemerkenswerter Psychothriller, der sowohl inhaltlich als auch stilistisch als Horrorroman gesehen werden kann.

Eine junge Journalistin wird von ihrem Chef beauftragt, einer Mordserie an Kindern in ihrer Heimatstadt nachzugehen. Dort wurden zwei erdrosselte Mädchen aufgefunden, denen man posthum alle Zähne gezogen hatte. Die Morde weisen auf keine Vergewaltigung hin. Der Mörder muss die Kinder zudem gekannt haben.
Widerwillig fährt die Journalistin in die Stadt, der sie eigentlich den Rücken gekehrt hatte. Die Stadt empfängt sie mit ihren seltsamen Bewohnern, die sich intrigant und kaltherzig gegenseitig kontrollieren, aber auch mit ihrer Familie, die völlig kaputt ist. Sie trinkt zu viel und verliert oftmals die Kontrolle, will aber den Mörder der Mädchen finden.

Flynns Schreibstil ist kalt und präzise. Sie beschreibt das Geschehen aus der Sicht einer völlig kaputten Frau, die eine noch kaputtere Umgebung vorfindet. Der Schrecken wird nicht durch eine Vielzahl an Morden, sondern durch den psychischen Terror erzeugt, den die Charaktere ausüben. Die Mutter der Protagonistin ist eine machtbesessene, alte Frau, die ihren Gram befriedigt, indem sie ihre beiden Töchter massiv kontrolliert. Die Journalistin zerstört ihren eigenen Körper nicht nur mit Alkohol, sondern auch mit tiefen Schnitten an jede freie Stelle ihrer Haut. Ihre kleine Schwester tyrannisiert die ganze High School. Das Familiendrama wechselt sich mit der Suche nach dem Mörder ab, die Geschichte gewinnt immer mehr an Fahrt und am Ende werden beide Handlungsstränge in einem heftigen Finale aufgelöst.

Zwar beginnt die Handlung langsam, fast ein wenig schleppend, aber spätestens nach dem ersten Viertel steigert sich die Spannung konsequent bis zum Ende. Nicht jedem Leser wird die Geschichte um verletzte Frauen, zerstörte Familien und das trügerische Leben in dem malerischen Dorf gefallen. Dafür passiert zu wenig, die Charaktere sind zu speziell und die Protagonistin zu eigen. Der Roman ist zudem frei von jedem Klischee, weder ein klassisches Happy End, eine vertraute Personenbeschreibung oder eine nachvollziehbare Handlung werden geboten. Stattdessen ist Cry Baby ein kalter, pessimistischer und teilweise auch vorhersehbarer, dafür aber stark geschriebener und intensiver Thriller, den man lange im Gedächtnis behalten wird.

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