Das Grab

Originaltitel: Resurrection Dreams
Autor: Richard Laymon
Genre: Horror
Umfang: 527 Seiten
Veröffentlichung: 13.09.2013
Verlag: Heyne Hardcore

Das Grab ist einer der besseren Romane von Richard Laymon. Nicht nur dass der Autor sich hier genug Zeit für Charakterisierungen gelassen hat, auch die Horrorpassagen sind herrlich verrückt und brutal. Für Fans des extremen Horrors wird das Buch wohl ein wenig hinter der Konkurrenz hinterherhinken, kann dafür mit einer lebendigen Mischung aus Humor, Splatter und Erotik punkten.

Vicki ist die einzige, die sich für ihren seltsamen Schulkameraden Melvin einsetzt, über den alle anderen herziehen. Dass er in sie verliebt und zudem wahnsinnig ist, begreift sie blitzartig, als er vor allen Leuten in der Schule versucht, eine tote Frau zum Leben zu erwecken. Vicki verlässt für einige Jahre die Stadt, Melvin wird in die Anstalt eingewiesen. Als sie zurückkehrt um in einer Arztpraxis zu arbeiten, wird Melvin entlassen, immer noch verliebt und mit seinen Experimenten ein ganzes Stück vorangekommen.

Zwar ist dies nicht Laymons härtester Roman, dennoch wird dem Leser hier einiges zugemutet. Schon der Prolog, der sich aus drei Kapiteln zusammensetzt, enthält mehr brutale und pornographische Szenen als komplette andere Horrorbücher. Es wird nicht einfach beschrieben dass die Frau, die Melvin wiederbeleben will, bei einem Autounfall gestorben ist. Das wird aus der Sicht von zwei Besoffenen geschildert, die das Autowrack entdecken. Sie erkennen, dass das Pärchen im Auto Oralsex hatte und der Fahrer deshalb von der Straße abgekommen ist. Beim Aufprall gegen eine Brücke wurde der nackten Beifahrerin der Kopf abgerissen, doch dank ihrer großen Brüste ist sie als Schulkameradin der Trunkenbolde wiederzuerkennen. Nun wollen die beiden sich an der kopflosen Leiche vergehen, geraten jedoch in einen Streit und schlagen sich, bis auf einmal die Polizei kommt und sie vertreibt. Soviel zum ersten der drei Kapitel im Prolog.

Weiter geht es mit zahlreichen Morden und Wiederbelebungen durch Melvin, der eine kleine Gruppe von Untoten um sich schart, die ihm Dienste aller Art erledigen. Sein größtes Ziel ist jedoch Vicki, die er jedoch nicht nur für sich gewinnen, sondern mittels der Experimente auch zu einem treuen Zombie machen will.

Das Grab lohnt sich durchaus für Horrorfans, die noch nie Richard Laymon gelesen haben. Auf einige Dinge muss man sich aber einstellen. Die langen, oft sehr morbiden und wie gesagt pornographischen Szenen nehmen sich nie ernst. Die brutalsten Mordszenen sprühen vor Selbstironie, der beschriebene Sex ähnelt in der Regel einem Porno. Dennoch kann man die guten Bücher von Laymon nicht aus der Hand legen, sie sind eben nicht nur brutal und erotisch, sondern auch spannend und sehr einfallsreich. Oft muss man schmunzeln, weil sich die Handlung in eine absolut unerwartete Richtung entwickelt und oft an den spannendsten Stellen mit einer ordentlichen Portion Humor aufkommt. Was Horrorfans jedenfalls nicht erwarten sollten, wenn sie Laymon lesen, sind Anspruch und Schockmomente wie bei Stephen King oder Jack Ketchum.

Das Grab ist zwar nicht so stark wie Referenztitel des extremen Horrors und nicht das beste Buch von Laymon. Das liegt zum Einen daran, dass Splatter und Erotik zwar sehr ausgewogen, aber nicht allzu stark betont sind. Im Gegensatz zu zum Beispiel Der Regen, ebenfalls von Laymon, wird hier mehr Wert auf die Charaktere gelegt, was den ein oder anderen Horrorliebhaber abschrecken könnte. Zum Anderen sind einige Elemente in dem Buch untypisch für Hardcorehorror. Das Ende ist sehr schnell abgewickelt und überraschend kitschig. Der Showdown ist in Ordnung, hätte aber besser gestaltet werden können. Es wird zudem mehr Akzent auf die Liebesbeziehungen der Protagonistin gelegt als es in diesem Genre üblich ist. Das sind Punkte, die nicht unbedingt stören. Aber da sich diese Elemente nicht so richtig in die Horrorhandlung einfügen wollen, bilden sie eher die Ecken und Kanten des Buches, anstatt eine sinnvolle Bereicherung zu sein.

Trotzdem ist dieser Roman sowohl für Fans als auch für Neulinge im Bereich Laymon zu empfehlen. Die witzigen Sprüche, die verrückten Szenen und Ideen des Autors sind einfach toll. Wer also keinen anspruchsvollen oder besonders gruseligen Roman erwartet sondern sich mit Sex, Gewalt und schwarzem Humor in Reinform zufrieden geben kann, ist hier gut beraten.

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