Der Käfig

Originaltitel: Amara
Autor: Richard Laymon
Genre: Horror
Umfang: 512 Seiten
Veröffentlichung: 08.03.2011
Verlag: Heyne Hardcore

Der Käfig ist ein später Horror-Roman von Richard Laymon, der erst zehn Jahre nach dessen Tod in Deutschland erschienen ist. Laymon macht hier seinem Ruf als Horrorautor mit einfachem Schreibstil und kompromisslosen Gewalt- und Sexdarstellungen alle Ehre, dennoch ist Der Käfig nicht so gelungen wie die meisten seiner anderen Romane.

Im Mittelpunkt des Buches steht kein Käfig, sondern eine Mumie, die aus ihrem Sarkophag ausbricht und nachts das heutige L.A. terrorisiert. Insgesamt gibt es drei wichtige Handlungsstränge, die sich in regelmäßigen Abständen abwechseln. Ein frisch verliebtes Pärchen, das sich nicht nur gegen die Mumie, sondern auch gegen eine verrückte Nachbarin zur Wehr setzen muss, ein junger Mann, der plötzlich gefangengenommen und in einem Käfig festgehalten wird und drei Jugendliche, die von zu Hause abhauen und unglücklicherweise zum Ort des Geschehens fahren, treiben die Handlung voran. Dazu kommen viele andere Charaktere die oftmals nur kurz vorgestellt werden, um im selben Kapitel zu sterben. Zudem gibt es eine längere Passage, die, in einem völlig anderen Schreibstil verfasst, von der Entdeckung der Mumie berichtet.

Wie in Laymons anderen Büchern ist der Schreibstil hier sehr einfach und drehbuchähnlich. Auf Anspruch wird verzichtet, im Mittelpunkt stehen Splatter, Horror und Erotik. Wie von Laymon gewohnt wird das brutale Geschehen explizit ausgearbeitet. Durch die einfachen aber guten Beschreibungen liesst sich das Buch sehr schnell. Langeweile kommt so gut wie gar nicht auf, da Laymon sich sehr unterschiedliche, verrückte Szenarien ausgedacht hat. Man ist hin- und hergerissen zwischen lustigen und brutalen Szenen, manchmal atemlos, dann wieder schmunzelnd wegen der wirklich kranken Einfälle des Autors. Da hält sich eine vereinsamte Blinde Sexsklaven in ihrem Keller, während Rentner Kleinkinder durch die Luft werfen und ein kleiner Junge versteckt eine tote Frau unter seinem Bett, um seine Klassenkameradin damit zu beeindrucken.

Die Charaktere werden soweit beschrieben, dass man sie gerne hat, doch sie entwickeln sich leider nicht. Das ist untypisch für einen Laymonroman und auch ungünstig. Kenner erinnern sich an Bücher wie „Das Grab“ in denen die Horrorhandlung sich regelmäßig mit persönlichen Dramen der Charaktere abgewechselt hat. Anders in Der Käfig, wo sich die Horrorhandlung mit einer anderen Horrorhandlung abwechselt. Da haben die einen Charaktere mal Ruhe und werden sofort von anderen abgelöst, die mit der Mumie Bekanntschaft machen. Die wirklich vielen Personen bringt man somit nicht nur durcheinander, irgendwann verlieren sie auch an Bedeutung. Das ist wirklich schade, denn die einzelnen Geschichten hätten von der Idee her auch das Zeug dazu gehabt, alleine ein Buch auszufüllen.

Das Finale wirkt gerade dadurch sehr holprig, ist leider auf zwei Kapitel aufgeteilt, was einen unentschlossenen Eindruck macht. Nicht nur das Mumien- sondern auch das Käfigszenario, welches ab der Hälfte des Buches an Bedeutung gewinnt, werden hier nicht zu Ende gedacht. Die meisten der Charaktere sterben einfach, damit wird die Sache dann erledigt. So hat man als Leser das Gefühl, nur ein halbes Buch gelesen zu haben, eben weil es zu viele Handlungsstränge enthält und es diese nicht gut aufzulösen vermag. Hätte Laymon anstatt drei nur zwei Handlungen und weniger Nebencharaktere eingesetzt, oder einige der Charaktere schon früher im Buch getötet, wäre ihm das Ende auch besser gelungen. Zudem hätte er sich mehr Zeit für die wichtigen Personen nehmen können.

Leider ein unterdurchschnittlicher Horror-Roman der zwar genau so gute Einfälle und schön beschriebene Horrorpassagen hat wie andere Werke Laymons, allerdings zu viel versucht um am Ende an der enormen Menge von Charakteren und Nebengeschichten scheitert. Hier wäre weniger deutlich mehr gewesen. Für Fans zwar ein Pflichtkauf, aber für Neulinge nicht zu empfehlen.

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