Der Schatten aus der Zeit

Originaltitel: The Shadow out of Time
Autor: H. P. Lovecraft
Genre: Phantastische Erzählung / Mystery
Umfang: 112 Seiten
Veröffentlichung: 1933 (USA); 1992 (D)
Verlag: suhrkamp taschenbuch

Howard Phillips Lovecraft hat in seiner Schaffenszeit zwar nur einen Roman geschrieben („The Shadow over Innsmouth“), dafür aber unzählige Kurzgeschichten, Gedichte und andere Schriften wie Essays oder kommerzialisierte Briefe. Es scheinen weniger die Ideen zu sein, die Lovecraft so reizvoll machen, sondern viel mehr sein Erzähl- und Schreibstil. Weil es als Einsteigergeschichte gilt, habe ich mir Der Schatten aus der Zeit gekauft, um diesen spannenden Autoren näher kennen zu lernen.

Das recht kurze Buch handelt von dem Wirtschaftsprofessoren Peaslee, der während seiner Vorlesung zusammenbricht. Er verhält sich merkwürdig und entwickelt eine Maschine, deren Funktion er aber nicht weiter erläutert. Über sechs Jahre hinweg arbeitet er an ihr, um plötzlich wieder bewusstlos zu werden und den Satz zu Ende zu sprechen, den er sechs Jahre zuvor angebrochen hatte. An seine, wie unter Trance begangenen Taten kann er sich kaum noch erinnern, doch durch seine einprägsamen Alpträume fügt sich ein verwirrendes Bild der Ereignisse zusammen. In vielen seiner Träume war Peaslee in der Zivilisation der Großen Rasse – einer intelligenten Gattung, die mehrere Millionen Jahre vor den Menschen die Erde bewohnte. Nicht nur ihre Intelligenz- und Technologievorsprünge gegenüber den Menschen erschüttern ihn, sondern auch, dass diese Rasse von einem ganz anderen, gefürchteten Volk vollständig vernichtet worden sein musste. Seine letzten Erinnerungen beleuchten eine Forschungsreise in die Wüste Australiens, in der der Professor sich seinen schlimmsten Befürchtungen stellen musste.

Der Klimax ist gut, das Tempo hoch und die Auflösung überraschend. Was dieses Buch besonders spannend macht, sind seine starken Beschreibungen und die düstere Atmosphäre. Lovecrafts Sprache ist klar, gut verständlich und sehr vielschichtig. Für einen Horrorautoren ist er sehr anspruchsvoll, dass er davon selbst auch überzeugt war, zeigt folgendes Zitat:

„Die älteste und stärkste Emotion des Menschen ist Furcht, und die älteste und stärkste Form der Furcht ist die Angst vor dem Unbekannten. Diese Tatsachen wird kaum ein Psychologe bestreiten, und sie begründen ein für allemal Echtheit und Rang der übernatürlichen Horrorgeschichte als literarische Form.“

Lovecrafts furchtdurchzogene Schilderungen sind großartig. Sicherlich macht diese Angst den Autoren nicht unbedingt sympathisch – seine Geschichten strotzen von Menschenhass und Weltfremdheit. Wer damit aber kein Problem hat, sollte sein Werk wenigstens teilweise lesen.

Der Schatten aus der Zeit ist lange nicht so makaber oder gar brutal wie andere Werke Lovecrafts. Es ist aber eine gute Basiserzählung, die den Kosmos anderer Geschichten des Autoren leichter zugänglich macht. Daneben ist es aber auch ein tolles, kurzweiliges Buch, das einen nicht nur gruselt, sondern auch nachdenklich stimmt.

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