Dunkle Seiten – The Terror Compilation

Originaltitel: The Terror Compilation
Autor: Marc Gore
Genre: Kurzgeschichtensammlung, Splatter
Umfang: 176 Seiten
Veröffentlichung: 11.10.2012
Verlag: Twilight-Line

Das Horrorgenre hat größtenteils amerikanische Vertreter. Ob Filme, Romane, Anthologien oder entsprechende Musik-CDs, die meisten dieser Medien kommen aus Übersee. Doch wie sieht es hierzulande mit der Horrorproduktion aus?

Marc Gore ist ein Splatterautor aus Bremen, der bisher zwei Kurzgeschichtensammlungen veröffentlicht hat. Die erste heisst The Terror Compilation. Die insgesamt sechs Kurzgeschichten handeln von Werwölfen, Schwarzen Magiern, Schmetterlingsvampiren, Aliens, SerienkillerInnen und vielem mehr. Mal muss ein prolliger Trucker eine junge Frau vor mexikanischen Magiergangstern beschützen, mal gerät eine Gruppe Teenager in die Fänge einer verrückten Hinterwäldlergemeinde. Die Geschichten sind inhaltlich und vom Aufbau sehr unterschiedlich. Ein immerzu wiederkehrendes Element ist die blutige Darstellung, welche im Einband mehrmals erwähnt wird.

Positiv anzumerken ist der Einfallsreichtum des Autors. Inhaltlich hätte man auch eine Kurzgeschichtensammlung mit mehreren Schreibern erwarten können, da sich hier kein Szenario wiederholt. Die Ideen sind zum Teil wirklich lustig und überraschen den Leser.

Leider hapert es schon bei der Gestaltung der Geschichten. Während sich einige nur sehr langsam entwickeln und man bis zum Ende im Unklaren bleibt, wohin das Ganze führt, sind andere völlig vorhersehbar. Manchmal fehlt auch ein beträchtlicher Teil, der für eine Kurzgeschichte aber wichtig gewesen wäre; So wirkt beispielsweise die Geschichte „The Butterfly Ladies“ wie die erste Szene eines Horrorfilms, lässt aber eine Wendung oder ein befriedigendes Ende vermissen.
Die Geschichte „The Terror of Alabama“ ist dem Remake von „Texas Chainsaw Massacre“ (2003) zu einem großen Teil entlehnt.

Ein weiterer Makel ist der Schreibstil. Ähnlich wie Richard Laymon schreibt Marc Gore sehr szenennah und detailgetreu – drehbuchartig also. Das wäre an sich kein Problem, aber dazu kommen unglaublich viele kleine Beschreibungen der Charaktere und ihrer Umgebung, beispielsweise die genaue Altersangabe, die Automarke oder das Datum. Das macht keinen besonders eleganten Eindruck. Zudem sind die Beschreibung oft ausladend prollig, mit vielen Anglizismen, zu expliziten Beschreibungen und Kraftausdrücken. Schaut man sich einige Kundenrezensionen an, sieht man, dass schon einige Leser das Buch deshalb aus der Hand gelegt haben.

Die Charaktere werden manchmal gut beschrieben, oft aber zu plumpen Sex- und Gewaltobjekten degradiert. Das ist schade! Splatterfilme und -Bücher können die Zerstörung des menschlichen Körpers noch so genau und blutig beschreiben, wenn es sich bei den Getöteten oder der Vergewaltigten nur um eine Silhouette für einen Charakter handelt, dann ist das auch nicht wirklich brutal. So bleibt auch die versprochene Brutalität auf der Strecke, Schreiber wie Richard Laymon oder Jack Ketchum zum Beispiel bringen die Brutalität viel effektiver auf den Punkt.

Zudem ist es fragwürdig, weshalb die Geschichten alle in den USA spielen. Immerhin handelt es sich um einen Bremer Autoren. Die Englischen Titel tun ihr Übriges, um die Geschichten wie eine große Widmung an Amerikanische Midnight Movies anmuten zu lassen. Ob das wirklich nötig gewesen wäre?

Dennoch hat Gores Werk positive Seiten. Der enorme Einfallsreichtum und die teilweise wirklich guten Ideen des Autors trösten über die Mängel hinweg. Wenn ein Biker laut schimpfend auf einen mexikanischen Drogenbaron und dessen Zombiearmee trifft und sich mit diesem dann ein Duell liefert, muss man einfach weiterlesen!

Eine professionelle und flüssige Geschichtensammlung ist hier leider dennoch nicht entstanden. Für knallharte Splatter- und Trashfans ist The Terror Compilation geeignet, aber noch sehr weit von großen Anthologien wie „Dark Delicacies“ (Festa) entfernt.

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