Grindhouse Splatter

Originaltitel: Grindhouse Splatter
Autor: Marc Gore
Genre: Kurzgeschichtensammlung, Splatter
Umfang: 158 Seiten
Veröffentlichung: Januar 2014
Verlag: Edition Lepidoptera

Zwei Jahre nach „The Terror Compilation“ hat Marc Gore seine zweite Anthologie veröffentlicht. Grindhouse Splatter beinhaltet ähnlich verrückte Szenarien wie sein inoffizieller Vorgänger und mehr Geschichten. Diesmal in dem Verlag Edition Lepidoptera veröffentlicht, ist die Sammlung mit Illustrationen versehen, die allesamt klasse aussehen und dem Leser eine Vorstellung von den kommenden Episoden geben.

Wie schon in der vorherigen Sammlung sind die Kurzgeschichten sehr unterschiedlich – mal tauchen menschenfressende Riesenarmeisen auf, dann Zombies, haitianische Hexen, lebende Krebsgeschwüre und viele andere. Im Vorwort wird es ganz passend erwähnt, Marc Gores Geschichten ähnelen den „Geschichten aus der Gruft“. Die alte Horrorserie kam mit ähnlich ausgefallenen und unterschiedlich erzählten Geschichten auf.

Im Vergleich zur letzten Sammlung sind die Geschichten einen Tick runder, der Schreibstil und die Ideen etwas besser. Gerade die beiden letzten Geschichten „Benito“ und „Fear“ sind gelungen, weil sie mit einer guten Wendung aufkommen und ihre Protagonisten herrlich karikieren (eine vereinsamte Frau und einen paranoiden Rentner). Hier entfällt dann auch endlich der plumpe Splatteranspruch, den Leser nur mit blutigen Szenen schocken zu wollen.

Der jedoch hält sich in einigen Geschichten hartnäckig. Zum Beispiel in „Carnival of the Dead“, die sich mit Beschreibungen von Zerfleischungen am Leben halten will. Das wirkt dann alles etwas zu stumpf – wie eben in den 80er Jahre Splatterfilmen. Und es fehlt hier die Pointe, diese Geschichte hört quasi in der Mitte auf. Wie in der letzten Sammlung fehlt der eine oder andere Akt, sodass weder der Anfang oder das Ende besonders stimmig sind. Wenn dann in der Inhaltsangabe davon die Rede ist, dass Marc Gore Tarantino „gekonnt die Stirn (bietet)“, dann kann man das nicht ernst nehmen. Egal was man von Tarantino halten mag, seine Werke sind perfekt strukturiert, was hier nicht der Fall ist.

Viele Kritikpunkte an dem letzten Werk bleiben für das neue bestehen. So ist der Schreibstil holprig, die Beschreibungen manchmal unnötig genau und die Sprache zu platt – mit vielen Anglizismen und nicht nachvollziehbaren Dialogen gespickt. Die Geschichten sind alle in Amerika angesiedelt, obwohl das inhaltlich nicht nötig gewesen wäre. Sie sind zudem blutig, aber eben noch lange nicht so brutal, wie das Cover es verspricht. Autoren wie Jack Ketchum, Richard Laymon oder Bryan Smith bleiben die Splatterkönige – eben weil sie viel tiefergehende und subtilere Formen der Gewalt beschreiben als es hier der Fall ist.

Trotzdem muss man dem Werk lassen, dass es im Vergleich zum Vorgänger deutlich besser abschneidet – der Schreibstil ist sauberer und die Geschichten raffinierter.
Wenn man trashige, filmähnliche Horrorkurzgeschichten lesen will, kann man auf Marc Gores Sammlung einen Blick werfen. Wenn man sich aber anspruchsvolle, sauber geschriebene Horrorliteratur erhofft, ist man immer noch bei den Altmeistern aus den USA besser beraten.

Marc Gores Sammlung besticht durch seine guten Ideen, sie ist durch zahlreiche Illustrationen zudem sehr schön geworden. Die Rettung der deutschen Horrorliteratur ist sie aber nicht, eher die schönere Variante einer Ausschreibungs-Anthologie.
Wer Trash gerne mag, mit moderatem Splatter und trockenem Humor etwas anfangen kann und sich nicht an einem kantigen Schreib- und Sprachstil stört, kann einen Blick riskieren. „Marc Gore ist in der deutschen Horror-Szene heftig umstritten“, heisst es in der Kurzbeschreibung. Das trifft den Nagel auf den Kopf – während einige Leser sich begeistert über die kurzweiligen Splatterepisoden zeigen, bemängeln andere Stil und Struktur der Sammlung und legen diese schon nach den ersten Seiten weg.

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