Zerfleischt

Originaltitel: The Devil Next Door
Autor: Tim Curran
Genre: Horror, Thriller
Umfang: 416 Seiten
Veröffentlichung: 25.02.2012
Verlag: Festa Verlag

Mit Zerfleischt veröffentlicht der Festa Verlag, welcher sich bekanntlich ganz dem Horrorgenre gewidmet hat und sich selbst als „Das Haus des Horrors“ bezeichnet, Tim Curran’s neuestes Werk. Tim Curran ist bereits seit Mitte der ’90er Jahre als Autor tätig, sein Spitzname „Corpse King“ wurde von seinen Fans bereits akzeptiert und dieser Name spiegelt sich auch in dem Roman Zerfleischt wieder.

Zerfleischt handelt von Louis, einem Mann mittleren Alters, welcher gemeinsam mit seiner Frau Michelle in der Kleinstadt Greenlawn lebt. Eines Tages geschehen in der Kleinstadt seltsame Dinge: In der Schule rasten manche Schüler aus und greifen die Lehrer auf brutale Art und Weise an, Louis Nachbarn scheinen nicht mehr die selben zu sein und greifen sich gegenseitig an und Louis muss erleben, wie er von einem soeben zusammengeschlagenen Jungen angegriffen wird. Aus Notwehr muss Louis ihn zu Boden schlagen und als die Polizei eintrifft, da benehmen sich auch die Beamten komisch und scheinen nicht vorzuhaben, diesen Fall auf normale Art und Weise zu klären.

In der Stadt Greenlawn ist etwas geschehen, und nicht nur in Greenlawn, auch in anderen Städten auf der ganzen Welt gehen solch beängstigende Dinge vor. Louis findet sich bereits nach ein paar Stunden in einer komplett verrückt gewordenen Welt wieder, in der die menschlichen Werte und ethischen Vorstellungen nicht mehr gelten. Für ihn gibt es nun nur noch eine Sache: Seine Frau zu finden und mit ihr diesen Horror zu überstehen…

Tim Curren spricht mit Zerfleischt nicht dieselbe Ebene an wie viele andere Horrorautoren, die durch einzelne Horrorelemente versuchen den Leser zu schocken. Vielmehr setzt er auf eine Sammlung geballter Bestialität und führt einem vor Augen, wie die wahre Hölle aussieht. Das wohl Verstörendste an Zerfleischt ist, dass es nicht um Monster oder andere Fantasiewesen geht, sondern um uns Menschen.

Zerfleischt ist ein auf schriftstellerischer Ebene recht einfach geschriebener Roman, bei dem Curran’s die größten Faktoren auf dem kranken Inhalt und der größtmöglichen Morbidität gelegt hat. Der Leser dieses Romans darf nicht mit tiefgründigen Kapiteln rechnen und auch auf keine besonders ausgefallenen Ideen hoffen – was hier im Fokus steht sind eindeutig die blutigen und brutalen Szenen, welche jeden Torture Horrorfilm übertreffen und so niemals auch nur im entferntesten in Deutschland als Film veröffentlicht werden dürfte.

Leider lässt Curren seinen Leser bei der Tiefe der Story im Wald stehen. Während man nach der passablen Einleitung ein Buch erwartet, dass unter die Haut geht, welches einen begeistert und erstarren lässt, muss man später jedoch feststellen das es mit der Zeit immer mehr abflacht und sich schließlich in Fäkalsprache und derben Splattereinlagen verliert. Auch die Anfangs vielen Charaktere spielen im weiteren Verlauf der Geschichte keine elementaren Rollen mehr. So ist es kein Wunder, dass, mit Ausnahme der Hauptcharaktere, viele andere Charaktere eher oberflächlich und teilweise an den Haaren herbeigezogen wirken.

Die Dramaturgie von Zerfleischt blieb, wahrscheinlich auch auf Grund der vielen Gewaltszenen und der von Tim Curran rücksichtslosen und schier endlosen Aufzählungen von einer Horror-Szene nach der anderen, leider sehr arg auf der Strecke. Knapp die ersten 75% von Zerfleischt versucht man zu entschlüsseln, wohin der Roman führen wird, ohne auch nur einen Hauch von Spannungskurve erkennen zu können. Man ist es gewohnt, eine Richtung der Lösungsfindung vorgelegt zu bekommen und gemeinsam mit dem Protagonisten auf die Suche zu gehen. Dies schien auch von Louis geplant gewesen zu sein, aber Curran ließ es einfach nicht zu. Immer und immer wieder geschah scheinbar das Selbe, nur mit anderen Personen. Kein Ziel war in Sicht, bis es dann auf das Ende zuging.

Zum Ende hin nimmt Zerfleischt dann schön an Geschwindigkeit zu und man bekommt neue Lust auf den Roman. Lust, die einem vorher schon ein wenig vergangen war. Und während in dem Inneren von Louis und anderen Menschen und Wesen in Zerfleischt etwas geschieht, geschieht ähnliches auch in dem Inneren des Lesers: Man stumpft ab. Gleichzeitig steigt der Spaß daran, weiter zulesen und weiteres Übel zu erfahren.

Insgesamt schafft es Curren nicht die Geschichte durchgehend abwechslungsreich und spannend zu gestalten und so fängt man schnell an, bei der Geschichte zu ermüden und nach Neuem zu schluchzen. Jedoch muss man ihm durchaus lassen, dass er mit einer chirurgischen Genauigkeit und Nüchternheit die widerwärtigsten Handlungen zu beschreiben weiß. Zerfleischt ist für alle Fans des Morbiden und Widerwärtigen ein absolutes Muss, aber nichts für Stephen King Leser und andere Anspruchsvolle, da hierfür einfach viel zu grob geschrieben wurde.

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