22. Januar 2012 von in

Alec Gillis im Interview über seine Arbeit als Creature Designer bei The Thing

Wir hatten das Vergnügen zum DVD und Blu-ray Start von The Thing am 22. März 2012 mit dem Creature Designer Alec Gillis ein Interview zu führen. Alec Gillis ist bereits seit den 80er Jahren im Geschäfft und hat gemeinsam mit seinem Freund Tom Woodruff Jr. die Firma Amalgamated Dynamics gegründet, mit welcher sie schon mehrfach für ihre Creature Designs ausgezeichnet wurden.

Alec GillisScary-Movies.de: Wenn ich mir deine Filmografie anschaue ist es sehr auffällig, dass du bei vielen Filmen über Aliens das Character Design gemacht hast. Macht es dir am meisten Spaß Aliens zu entwerfen?

Allec Gillis: Ja, ich liebe es wirklich sehr Aliens zu kreieren und interessiere mich für unbekannte Lebensformen. Dieses Interesse habe ich auch in meinem Buch Worlds: A Mission of Discovery verewigt und dort über die große Spannweite der verschiedenen Möglichkeiten von außerirdischen Lebensformen geschrieben.

Scary-Movies.de: Wenn du dir deine eigenen Aliens ansiehst, zum Beispiel in The Thing, entdeckst du Schönheitsfehler und denkst dass du das hättest besser machen können?

Allec Gillis: Ja, wenn du dir deine eigene Arbeit ansiehst, dann kannst du niemals zu 100 % zufrieden sein. Wenn es so wäre, dann hättest du auch keinen Weg vor dir und nichts was du noch lernen könntest. Also ja, ich entdecke jedes Mal Dinge, die ich etwas anders hätte machen können.

Scary-Movies.de: Wie viel Zeit braucht es ein Alien zu entwickeln?

Allec Gillis: In The Thing hatte ich mit meinem Team nur 3 Monate Zeit um alle verschiedenen Aliens zu entwerfen. Insgesamt gab es 9 Entwürfe und ich finde wir haben gute Arbeit für diese kurze Zeitspanne geleistet.

Scary-Movies.de: 2011 hast du die Charakter in der Zoowärter designed – zum Beispiel den Gorillaanzug der von einer Person getragen wurde – was ist schwieriger für dich: ein fiktives Alien zu entwickeln oder ein reales Tier?

Allec Gillis: Das ist eine sehr interessante Frage. Bei einem Alien musst du es schaffen, dass es echt wirkt obwohl es fiktiv ist und du musst es schaffen das Publikum davon zu überzeugen, dass es echt ist. Das Publikum hat noch nie ein echtes Alien gesehen und jeder hat seine eigenen Vorstellungen. Bei dem Gorilla in Der Zoowärter aber war das Design schon gegeben, weil jeder weiß, wie ein Gorilla aussieht. Die Herausforderung dabei war, dass man viel detailreicher arbeiten musste, da jeder damit vertraut ist, wie so ein Tier aussieht. Es haben also beide Arten eigene Herausforderungen und ich bin froh, dass ich beides machen darf.

Scary-Movies.de: Aber ich kann mir vorstellen, dass der Regisseur eines Alienfilms ein bestimmtes Bild von dem Alien im Kopf hat und es auch so erwartet. Wird dadurch deine Arbeit wesentlich erschwert?

Allec Gillis: Es ist ein Teil meines Jobs herauszufinden, was der Regisseur oder die Regisseurin genau haben will. Man spricht gemeinsam darüber, aber es ist dann wieder eine ganz andere Situation wenn man am Schreibtisch sitzt und mit dem Design beginnen möchte. Manchmal ist es aber auch so, dass man dem Regisseur oder der Regisseurin klarmachen muss, dass die vorhandene Idee nicht ganz funktionieren wird. Bei der Arbeit an The Thing hat Matthijs zum Beispiel hervorragende Arbeit geleistet und war auch sehr flexibel was die Aliendesigns angeht.

Scary-Movies.de: Einer unserer Leser wollte wissen, in wie weit du dich an John Carpenters The Thing gehalten hast.

Allec Gillis: Tom Woodruff und ich sind große Fans von John Carpenters The Thing. Als der Film 1982 in die Kinos kam hat es uns regelrecht umgehauen. Wir haben uns den Film so oft angesehen, die Aliens haben sich schon in unser Gehirn gebrannt. Bei der Arbeit für The Thing haben wir uns dann Bilder aus dem 82’er The Thing angesehen und mit Matthijs darüber geredet, was für eine Sprache der neue Film sprechen soll. Wir haben uns also teilweise daran gehalten, aber um den Film nicht einfach zu kopieren sind viele eigene Ideen mit in das Character Design der neuen Aliens eingeflossen. Dabei standen wir aber ziemlich unter Druck, weil der Film von John Carpenter einen enormen Maßstab gesetzt hat.

Scary-Movies.de: Was denkst du, werden die visuellen Effekte irgendwann klassische FX vollständig ersetzen oder werden beide Formen immer koexistieren?

Allec Gillis: Aus technischer Sicht wäre es definitiv möglich die klassischen Effekte durch digitale zu ersetzen. Allerdings sollte man immer schauen was am besten funktioniert und nicht einfach aus Bequemlichkeit die einfachste und marktgerechteste Möglichkeit wählen. Filmemacher sollten immer schauen was für das eigene Vorhaben die beste Möglichkeit ist. Meiner Meinung nach sollte man alles in eine Werkzeugkiste packen und Neuerungen dort mit hineinlegen. Allerdings sollte man aus dieser Werkzeugkiste auf keinen Fall etwas herausnehmen, weil man sich selbst dadurch nur limitiert. Ich persönlich hoffe, dass dort immer Platz für die klassische Arbeit sein wird, allerdings kommt die Entscheidung dazu immer von dem Studio und nicht vom Regisseur, wodurch diese Entscheidung eigentlich immer schon feststeht, bevor die Filmcrew angeheuert wird.

Scary-Movies.de: Gibt es Filme mit Splattereffekten die dir zu weit gegangen sind?

Allec Gillis: Also ich bin kein Freund von Torture Porn Filmen und der reinen Darstellung von Gewalt. Ich mag fantasievolle Welten wie zum Beispiel in Guillermo Del Toro’s Pans Labyrinth, wo eine sehr fantastische Welt geschaffen wurde, aber gleichzeitig auch Gewalt dargestellt wurde wie zum Beispiel das mit einer Flasche eingeschlagene Gesicht. Ich finde, das war der perfekte Einsatz von Gewalt in einem Film: Es war extrem dargestellt aber hat verdeutlicht wie böse dieser Charakter tatsächlich ist. Wenn es bloß darum geht zu zeigen, wie verrückte Männer junge Frauen foltern, da bin ich absolut kein Fan von.

Scary-Movies.de: Hast du es schon einmal abgeleht einen bestimmten Effect zu machen, aufgrund seiner expliziten Gewalt?

Allec Gillis: Ja das kommt vor. Wenn uns ein Script vorgelegt wird, welches einfach zu weit geht, dann lehnen wir es schon ab mit der Begründung, dass wir einfach nicht die richtigen für diesen Job sind.

Scary-Movies.de: Als letztes wollte ich dich fragen, ob du irgendeinen kurzen Ratschlag für Amateurfilmemacher hast, wie man mit wenig Budget gutaussehende Effekte macht. Gibt es irgendeinen einfachen Profi-Trick für beispielsweise blutige Splattereffekte?

Allec Gillis: Einfach… Also wenn man blutige Splattereinlagen machen will, dann sollte man im Internet einfach mal nachforschen. Dort gibt es wirklich gute Tutorials, zum Beispiel von Stan Winston. Bei Splatter gibt es einige Tricks im klassischen Bereich, doch für Amateurfilmer wird auch After Effects eine immer interessantere Sache auf Grund der vielen Optionen um den eigenen Film zu verbessern.

Scary-Movies.de: Ich danke dir vielmals für das Interview und wünsche auch weiterhin viel Erfolg.

Es gibt von der Arbeit von Alec Gillis‘ Firma Amalgamated Dynamics an The Thing auf ihrem YouTube Kanal ein sehr interessantes Video, welches allerdings Spoiler enthält. Wer den Film schon gesehen hat sollte sich unbedingt anschauen, wie dort vorgegangen wurde.

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