Der 102-Jährige, der eine Frau zu Tode bestieg, sie aus dem Fenster warf und mit seinem schwulen Enkel verschwand

Originaltitel: Der 102-Jährige, der eine Frau zu Tode bestieg, sie aus dem Fenster warf und mit seinem schwulen Enkel verschwand
Autor: Richardt Arwin
Genre: Horror / Komödie
Umfang: 42 Seiten
Veröffentlichung: 09/2018
Verlag: Amazon / Stadtknecht Produktion

Es ist erstaunlich, wie sich der Markt für Horrorbücher in den letzten Jahren unter deutschen Selfpublishern entwickelt hat. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen man am Bahnhofskiosk oder gar in der nächsten Buchhandlung zwischen Psychothrillern und Spannungsromanen nach Horrorwerken gesucht hat. Mittlerweile kann man binnen Sekunden auf Amazon, Thalia und anderen Plattformen nach Horror in all seinen Facetten suchen und wird blitzschnell fündig. Viele der dort angebotenen Ebooks und Taschenbücher haben keinen festen Verlag, sondern unterstehen alleine einem ambitionierten Autor. Dass es mittlerweile richtige Schätze unter diesen Selbstveröffentlichungen gibt, wollen wir anhand dieser Rezension beweisen!

Wie beim Indie-Horrorfilm sind die Amerikaner auch beim Indie-Horrorbuch den Europäern weit voraus. Doch haben deutsche Selfpublisher wie Stefan Krell, Jonas Winner oder Underground-Autoren wie Marc Gore Land gemacht, und die deutschsprachige Horrorliteratur wächst stetig. Für oftmals nur wenige Euro bekommt man Ebooks, die sich per Reader oder per (Kindle-)App auf dem Handy und dem Tablet lesen lassen. Auch Print on Demand wird immer beliebter, und für im Schnitt zehn Euro kann man das Buch auch in gedruckter Form bestellen. Weil uns der Titel so gut gefallen hat, nehmen wir uns einen Newcomer vor: Richardt Arwin mit seinem Buch Der 102-Jährige, der eine Frau zu Tode bestieg, sie aus dem Fenster warf und mit seinem schwulen Enkel verschwand.

Hier geht es um den uralten und lebensmüden Rüdiger, der beim Sex mit einer Prostituierten einen Herzinfarkt erleiden möchte. Als überraschenderweise die Frau stirbt und nicht er, wird er panisch. Er ruft seinen Ururenkel Jeremy an, der gerade mit zwei Vollblutproleten im selben Wohnblock sitzt und sich halbnackte Bodybuilder auf Youtube anschaut. Zu zweit wollen sie die Leiche beseitigen und rennen dabei allerhand schräger Gestalten aus dem Plattenbau über den Weg. Für die Leiche kommt nur eines infrage: Sie muss aus dem Fenster geworfen und dann irgendwie versteckt werden!

Die Geschichte besticht durch ihren abgrundtief schwarzen Humor. Jeder Charakter hat Dreck am Stecken, und ist doch auf seine Art und Weise sympathisch. Vor allem Jeremy, der sich als Gangster inszenieren, aber eigentlich doch nur etwas Zuneigung von seinem Kumpel Said bekommen möchte, bringt den Leser des Öfteren zum Lachen. Und hier kommt die zweite Stärke der Geschichte auf. Mit den vielen Seitenhieben beschreibt Arwin Phänomene wie die latente Homoerotik unter Jugendlichen „Gangstern“, Alltagsrassismus in Westdeutschland und einen Sexismus, der zwar in harten Pornos ausgesprochen, sonst aber unter der Hand ausgelebt wird. Zudem sitzen die bösen Sprüche, Beleidigungen und hundsgemeinen Wendungen. Nur soviel vorab: Es bleibt nicht bei einer Leiche!

Der 102-Jährige, der eine Frau zu Tode bestieg, sie aus dem Fenster warf und mit seinem schwulen Enkel verschwand erfüllt fast alle Vorurteile, die man einem selbstveröffentlichten Ebook entgegenbringen könnte. Es ist kurz, das Cover ist trashiger als der Inhalt selbst und es scheint in Eigenregie lektoriert zu sein. Doch ist es schön schräg, die Story ist wahnwitzig und geht in Dauerschleife unter die Gürtellinie! So etwas hätte vermutlich kein etablierter Verlag jemals veröffentlicht. Alleine schon wegen dieser Geschichte lohnt sich der Band in jedem Fall, denn der schwarze Humor, die völlig verrückten Figuren und die Tour de Force mit einer Leiche machen einen Höllenspaß!

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