Der Narr

Originaltitel: Der Narr
Autor: Stefan Papp
Genre: Mystik-Thriller
Umfang: 384 Seiten
Veröffentlichung: 04.08.2014
Verlag: Luzifer-Verlag

Tote Studentinnen, Neoheiden, Nerds, Hexen und Serienkiller jagen sich durchs moderne Österreich.

Der Narr ist der erste Roman des Wiener Autors Stefan Papp. Nach einer durchzechten Nacht, an die sich der verkaterte Student Sam nicht mehr erinnern kann, entdeckt dieser ein blutverschmiertes T-Shirt in seiner Wohnung. Als dann noch die Nachrichten vom Mord einer Studentin auf der gestrigen Party berichten, bekommt er es mit der Angst zu tun. Durch eine Visitenkarte in seiner Tasche findet er zu der selbsternannten Hexe Nimue, die ebenfalls beim Fest war. Mit ihr und anderen neoheidnischen Studenten macht sich Sam auf die Suche nach Hinweisen für den Mörder. Ihm sind aber der eigensinnige Chefinspektor Remmel und ein vom Vater der Toten beauftragter Mörder auf der Schliche.

Der größte Teil des Buches wird aus der Sicht Sams erzählt, der Chefinspektor, der Serienmörder und dessen Auftraggeber füllen einen kleineren Teil aus. Obwohl es sich hier um einen Thriller mit mystischen Elementen handelt, mutet der Roman wie ein Roadmovie an. Die Handlungsorte wechseln ständig, die Situationen und Nebencharaktere ändern sich fortlaufend. So beginnt die Handlung im ländlichen Österreich, um auf den Wiener Straßen, in Universitäten, Burgen und riesigen Geschäftshäusern fortgesetzt zu werden.

Die Charaktere sind alle etwas seltsam, aber irgendwie doch sympathisch. Sam ist ein Loser, ein Student der zu viel trinkt und sich lieber in Star Trek-Philosophien flüchtet, als sich der Realität zu stellen. Ironischerweise wird er von seinen durchgeknallten Freunden in die Welt keltischer und germanischer Mythologie, gepaart mit Tarot-Prophezeiungen und Sexritualen, geworfen, aus der er nur schwerlich herauskommt. Während er mit den Neoheiden hadert, plagt sich der übergewichtige Polizist Remmel mit seinen Ängsten, die ihm bei den Ermittelungen mehr als einmal im Weg stehen. Um seiner Tochter, deren Sorgerecht ihm entzogen wurde, das Meer zu zeigen, will ein gescheiterter Kleinkrimineller möglichst schnell und brutal den Mörder der Studentin zur Strecke bringen, vertut sich dabei aber oftmals im Ziel. Sein Auftraggeber und der Vater der Toten verfällt in der Unfähigkeit, mit den eigenen Gefühlen umzugehen, dem Alkohol.

Die Passagen sind abwechslungsreich, der Humor zündet oft und die Frage, wer denn nun den Mord begangen hat, lässt einen bis zum Ende des Buches nicht los. Soweit, so gut.

Was man jedoch kritisieren muss ist zum einen das offene Ende. Die grundlegenden Fragen werden zwar geklärt und die Handlung an sich abgeschlossen. Die Hauptcharaktere treffen aber so gut wie gar nicht aufeinander und ihre eigenen Probleme werden nur ansatzweise gelöst. Glücklicherweise verzichtet der Autor auf einen totalen Cliffhanger, aber dass dieser Roman mindestens einen Nachfolger haben wird, macht er dem Leser sehr deutlich. Das trübt den Gesamteindruck, wenn man das Buch als einzelnes Werk vor sich liegen hat.

Zudem sollte man einen Hang zum Okkultismus, zum Neoheidentum oder zu den zahlreichen Star Trek- und übrigen Science-Fiction-Zitaten haben. Dass zum Beispiel der Protagonist mitten im Buch anfängt, klingonisch zu reden, ist sehr ungewöhnlich und wird nicht jedem Leser gefallen. Auch die zahlreichen Alkoholexzesse und die sehr männlichen Ansichten der Protagonisten im Roman könnten den ein oder anderen Leser abschrecken. Diejenigen, die lieber einen ernsten Mystik-Thriller mit Roadmovie-Elementen lesen möchten, sollten sich „Doctor Sleep“ (Stephen King, 2013) vormerken.

Der Narr ist ein sehr eigenes Buch, und wenn man sich auf die spezielle Thematik einlassen kann, so wird man positiv überrascht. Die ungewöhnliche Geschichte und die seltsamen, aber dennoch sympathischen Charaktere machen dieses Buch zu einem besonderen Leseerlebnis, das so gut wie keine Klischees, dafür aber schwarzen, österreichischen Humor und einige wirklich tolle Passagen bereithält.

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