20.01.2022 / 20:04 Uhr

Mackenzie Gray im Interview über seinen neuen Film „Ditched“, sein Leben im Filmgeschäft und die zukünftige Karriere als Piratendarsteller

English Version see below

Ob als exzentrischer Modedesigner Gunter im Remake des Body-Horrors Rabid oder als abtrünniger kryptonischer Wissenschaftler Jax-Ur in Man of Steele. Mackenzie Gray (64) gehört International schon lange zu den bekannten Gesichtern des Filmgeschäfts. In seinem neuesten Film Ditched erleben wir den kanadischen Schauspieler wieder in einem Horror-Streifen. In diesem Interview steht er uns Rede und Antwort.

In deinem neuen Film Ditched geht es laut dem Trailer richtig brutal zur Sache. Bist du ein Fan von Filmen mit einem gewissen Grad an Brutalität?

Eigentlich bin ich nicht generell ein Fan von brutalen oder blutigen Filmen. Aber wenn die Gewalt einem Zweck dient oder nicht überflüssig ist, kann ich sie mir ansehen. Ich denke, Ditched schafft das sehr gut.

Darin verkörperst du diesmal einen bösen Charakter. Macht es als Schauspieler mehr Spaß in eine dunkle Rolle zu schlüpfen als in eine Gute?

Oft werden die dunkleren Rollen mit mehr Tiefe oder Charaktereigenschaften geschrieben, so dass sie komplexer sind und eine größere Herausforderung darstellen. Und weil ich im wirklichen Leben keiner Fliege etwas zuleide tun würde, macht es Spaß, sie zu spielen, weil sie oft keine Grenzen haben. Es ist gut, ab und zu mal böse zu sein. Wenn ich wirklich böse Charaktere oder Bösewichte spiele, versuche ich natürlich, es am Set easy und lustig zu halten. Lachen ist wichtig.

Auch im Remake des Body-Horrors Rabid hast du eine recht exzentrische Rolle übernommen. Wie würdest du die Arbeit mit Jen Soska und Sylvia Soska aka The Soska Sisters beschreiben?

Ich habe gerne mit den Soska-Sisters gearbeitet. Das war eine der besten Erfahrungen in meiner Karriere. Sie haben ein wunderbares Bühnenbild, sie sind offen für Ideen, Entscheidungen, und ermutigen einen dazu, Risiken einzugehen. Sie ließen mich in der Rolle des Gunter Spaß haben, ohne dass es in eine Parodie ausartete. Es war eine Freude, diese Rolle zu spielen.
Jen und Sylvia sind beide reizende, intelligente, kreative, lustige, rücksichtsvolle und offenherzige Frauen. Ich bewundere Sie und kann es kaum erwarten, wieder mit ihnen zu arbeiten. Sie machen großartige Filme.

Mackenzie Gray neben Dion Karas und Hanneke Talbot in Rabid (2019)

Nach deinen jahrelangen Erfahrung im Show-Business könnte man dich auch Das Chamäleon nennen. Sieht man sich deinen filmischen Verlauf an, gibt es vermutlich kaum eine Rolle, die du noch nicht gespielt hast. Gibt es für dich persönlich noch eine schauspielerische Herausforderung?

Jede Rolle ist eine Herausforderung, manche allerdings mehr als andere. Ich denke, eine große Herausforderung ist es, wenn ich denke, ich habe eine Vorstellung von der Figur, aber der Regisseur will etwas ganz anderes. Manchmal muss man alles über den Haufen werfen und neu anfangen. Das ist schwierig, kann aber sehr angenehm sein und ist oft erfolgreich. Ich habe keine Angst vor einer Rolle oder Herausforderung und freue mich darauf, alles zu spielen. Ich liebe es, einen Charakter zu erschaffen.

Schaust du dir auch gern mal gemütlich daheim auf deiner Couch einen Horrorfilm an?

Ja, denn es macht Spaß, gemeinsam Angst zu haben. Und beruhigend! Meine Freundin liebt Thriller, und wir genießen den Ritt durch einen Gruselfilm. Ich mag alte Klassiker, und wir beide lieben Nosferatu und Das Kabinett des Dr. Caligari, aber wir schauen auch verschiedene moderne Filme. The Shining ist immer ein guter Film. Wir mögen beide Vampirfilme.

Kann man im Entertainmentgewerbe tiefe Freundschaften aufbauen?

Auf jeden Fall, aber es ist nicht immer leicht, diese über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Aber es gibt eine tiefe Zuneigung, die Schauspieler, Regisseure, Crew und Produzenten bei der Zusammenarbeit entwickeln, und das ist oft ein sehr starkes Band. Es ist ein großes Vertrauen erforderlich, und wir haben oft nur sehr wenig Zeit, um dieses Vertrauen aufzubauen, also müssen wir sehr offen sein. Dadurch entsteht eine sehr tiefe Verbindung. Und es ist wie ein Teil einer Familie. Wenn wir uns nach langer Abwesenheit wiedersehen, ist das eine sehr starke Verbindung. Deshalb umarmen und küssen wir uns auch so oft! Die Leute denken, dass wir frivol sind, aber das ist es eigentlich gar nicht.

Mitte des Jahres verstarb leider der ausführende Produzent von Ditched Bill Terezakis. Einen Namen machte sich Bill all die Jahre mit einem hervorstehenden Talent an Special-Effects bei Filmen wie Freddy vs. Jason und House of the Dead. Hat der schmerzliche Verlust die Produktion zu Ditched in irgend einer Weise beeinflusst?

Der liebe Bill Terezakis war ein wunderbarer Mann und ein außergewöhnlicher Künstler. Ich habe mit ihm an Babylon 5, Smallville und einigen anderen Serien gearbeitet, und es war eine Freude, mit ihm zu arbeiten. Ich bin dankbar sein Freund gewesen zu sein. Sein Tod war ein Schock und muss die Postproduktion in Aufruhr versetzt haben. Ich weiß, dass es die Produzenten und unseren Regisseur Chris Donaldson sehr getroffen hat. Ich bin traurig, dass Bill die Fertigstellung des Films nicht mehr erleben konnte.

Wie bist du zum Schauspiel gekommen?

Mit 7 Jahren habe ich in der Schule mit der Schauspielerei begonnen. Ich liebte es, in Theaterstücken aufzutreten, und als ich 12 Jahre alt war, begann ich, mit der 8-mm-Filmkamera meiner Mutter eigene Filme zu drehen. Als ich auf die High School kam, gründete ich eine Schauspielgruppe und schrieb und spielte Theaterstücke und Comedy-Sketche. Ich war mir immer darüber im Klaren, dass ich das machen wollte. Charlie Chaplin und die großen Filmklassiker hatten mich inspiriert, und meine Eltern waren mit vielen großen Schauspielern befreundet. Mein Onkel, Robert Barclay, war Filmregisseur und Gründer der Directors Guild Of Canada, so dass ich viel Ermutigung erfuhr. Meine Mutter war mit dem inzwischen verstorbenen Christopher Plummer befreundet, der mich kennenlernte, als ich 15 Jahre alt war, und der mich forderte, Schauspieler zu werden, und der mir einige Regeln mit auf den Weg gab. Mein Vater stellte mich Sir John Gielgud vor, der mich bei einem Vorsprechen in London coachte, und Sir Alec Guiness, der mir tolle Tipps gab. Ich begann mit Bühnen- und Filmarbeit in London, sah jedes Stück und jeden Film, den ich sehen konnte, und absolvierte schließlich eine Ausbildung in London und dann in Toronto am berühmten University College Drama Programm der Universität Toronto. Von dort aus ging ich ins professionelle Theater und dann zu Film und Fernsehen.

Mackenzie Gray

Bisher hast du laut deiner IMDB-Liste an vier Kurzfilmen Regie geführt. Ist die Regie bei einem Langfilm überhaupt Thema für dich?

Für mich wäre das überhaupt kein Problem. Ich habe zwei Spielfilme Co-produziert, zwei mitgeschrieben und bei zwei langen Kurzfilmen Regie geführt, die leicht als Spielfilm hätten durchgehen können. Ich freue mich darauf, bald bei einem Film Regie führen zu dürfen.

Drei Dinge, die wir noch nicht über dich wissen. Und du darfst uns gerne schocken!

1) Im November 2020 wurde mir mein rechtes Bein amputiert, nachdem ich mir bei Dreharbeiten in El Salvador eine Infektion im Fuß zugezogen hatte. Ich war zurück in Kanada und erhielt eine hervorragende medizinische Versorgung. Ich habe wieder laufen gelernt und freue mich darauf, einige Piratenfilme zu drehen!
2) Ich bin auch Musiker und Komponist. Ich habe ein erfolgreiches Musical für Jugendliche namens Math Out Loud geschrieben und ich schreibe derzeit die Songs für einen kommenden schrägen Sci-Fi-Film namens Earthlickers. Und ich habe Mick Jagger, David Bowie und auch eine Figur, die auf Keith Richards basiert, in der Teen-Horror-Serie The Haunting Hour gespielt. Britische Rockstars waren also gut für mich!
3) Als ich 8 Jahre alt war, sang ich „Little Brown Jug“ mit der Jazz-Legende Ella Fitzgerald im Imperial Room im Royal York Hotel in Toronto. Eine erstaunliche Erfahrung.

Vielen Dank für das Interview!


Whether as eccentric fashion designer Gunter in the remake of the body horror Rabid or as renegade Kryptonian scientist Jax-Ur in Man of Steele. Mackenzie Gray (64) has long been a familiar face in the international film business. In his latest film Ditched we see the Canadian actor again in a horror flick. In this interview, he answers all our questions.

According to the Trailer of your new film “Ditched” it feels really brutal. Are you a fan of films with a certain level of brutality?

Actually, I’m not generally a fan of brutal, or gory films. But, when the violence serves a story purpose, or isn’t gratuitous, I can watch it. I think Ditched manages that very well.

This time you embody an evil character. Is it more fun as an actor to slip into a dark role than a good one?

Often, the darker roles are written with more depth, or character traits, so they are more complex, and more challenging to play. So that makes them fun. And, because I wouldn’t hurt a fly in real life, they are fun to play because they often have no limits. It’s good to get nasty once in a while. Of course, when I play really evil characters or bad guys, I try to keep it very light and fun on set. Laughter is important.
As mentioned before, you played a rather eccentric role in the remake of the “Body-Horror Rabid”. How would you describe the work with Jen Soska and Sylvia Soska aka The Soska Sisters?
I loved working with the Soska sisters. One of the best experiences of my career. They run a wonderful set, they are open to ideas and choices, they encourage taking chances, and they like to have fun. They let me have fun playing Gunter, but never let it slip into parody. It was a joy to play that role.
Jen and Sylvia are both lovely, intelligent, creative, funny, considerate and open-hearted women.
I adore them, and I can’t wait to work with them again. They make great films.

With your years of show business experience, you could also be called „The Chameleon“. If you look at your cinematic course, is there a challenge in acting for you personally?

Every role is a challenge, though some more so than others. I think a great challenge is when I think I have an idea of the character, but the director wants something very different. Sometimes, you have to throw out everything and start fresh, which is difficult but can be very enjoyable and often successful. I’m not afraid of any role or challenge, and I look forward to playing anything. I love creating a character.

Do you like to watch Horror-Movies while snuggled up on the couch at home. -If so, do you have a personal favorite horror film?

Yes, because it’s fun to be scared together. And reassuring! My girlfriend loves thrillers and we enjoy the ride of a scary film. As for a favorite, that’s hard to choose- I like old classics, and we both love Nosferatu and The Cabinet Of Dr. Caligari, but we have different contemporary films we like. The Shining is always a good watch. We both like Vampire films.

Is it possible to build deep friendships in the entertainment industry?

Absolutely, but it is not always easy to maintain them over time. But there is a deep affection actors, directors, crew and producers develop working together, and it is often a very strong bond. Because a great trust is required, and we often have very little time to establish that trust, so we need to be very open to do that. This creates a very deep connection. And it is like being part of a family. When we see each other again after a long absence it is a very strong connection. That’s why we do a lot of hugging and kissing! People think we’re frivolous, but it’s actually not that at all.

Sadly, the executive producer of Ditched Bill Terezakis passed away in the middle of the year. He earned a stellar reputation as a special effects expert for movies such as Freddy vs. Jason and House of the Dead. Did the painful loss affect the production of Ditched in any way?

Dear Bill Terezakis was such a beautiful man, and such an extraordinary artist. I worked with him on Babylon 5, Smallville, and a few other shows, and he was a joy to work with. I’m grateful to have worked with him and to have been his friend. His death was a shock, and must have thrown the post-production into a bit of turmoil. I know it deeply affected the producers and our director Chris Donaldson. I’m sad that Bill didn’t live to see it finished.

How did you get into acting?

I started acting in school, whenI was 7 years old. I loved performing in plays, and I started making my own films using my mother’s 8mm movie camera when I was 12 years old. When I got to High School.I formed an acting group and wrote and performed plays and comedy sketches. I was always clear about what I wanted to do. I had been inspired by Charlie Chaplin, great classic films, and my parents were connected to many great actors. My Uncle, Robert Barclay, was a film director and was the founder of the Directors Guild Of Canada, so I had a lot of encouragement. My mother was a friend of the late Christopher Plummer, who met me when I was 15 and who challenged me to be an actor, giving me some rules to live by, as an actor, about commitment and work, which I promised him I would always do, and I have kept my promise. My father introduced me to Sir John Gielgud, who coached me on an audition in London, and Sir Alec Guiness, who gave me great tips. I started stage work and some film work in London, I saw every play and film I could, and eventually trained in London, then in Toronto at The University of Toronto’s famous University College Drama program. From there, I went into the professional theatre and then into film and television.

You have directed four short films according to your IMDB profile. Would you have any difficulty directing a feature film?

I would have no difficulty at all. I have co-produced two feature films, co-written two and I have directed two long-form shorts that could easily have been features. I look forward to directing one soon.

Three things we don’t know about you yet. And you’re welcome to shock us! :D

1) In November, 2020, I had my right leg amputated, after getting an infection in my foot while filming in El Salvador. I was back in Canada and received excellent medical care. I learned to walk again and I’m looking forward to doing some Pirate movies!
2) I am also a musician and composer, I have written a successful musical for teens called Math Out Loud, and I am writing the songs for an upcoming campy sci-fi film called Earthlickers. And I have played Mick Jagger, David Bowie and also a character based on Keith Richards in the Teen Horror series The Haunting Hour. So British rock stars have been good for me!
3) When I was 8 years old, I sang „Little Brown Jug“ with Jazz legend Ella Fitzgerald at The Imperial Room at The Royal York Hotel in Toronto. An amazing experience.

Thank you very much for the interview!