Final Girls

Originaltitel: Final Girls
Autor: Riley Sager
Genre: Horror / Slasher
Umfang: 416 Seiten
Veröffentlichung: 05/2018
Verlag: dtv

Wer kennt sie nicht, die alten Slasherfilme? Nach Schema F wird eine Gruppe jugendlicher Partygänger von einem Slasher niedergemacht. Sex, Drogen und Alkohol sind das Vorspiel zu einem gnadenlosen Rachefeldzug gegen dekadente und amoralische Teenager. Doch nur selten kann der werkzeugschwingende Killer sein Werk zu Ende bringen. Meistens stoppt ihn diese eine, unscheinbare Frau — das Final Girl. Riley Sager hat in seinem ersten Roman die Perspektive verstellt. Die Morde sind Schnee von gestern, der vermeintliche Mörder zur Strecke gebracht. Zurück bleiben drei Final Girls, die sich alle aus ihren eigenen Blutbädern befreien konnten.

Der Ausgangspunkt für Sagers Geschichte ist denkbar ernüchternd. Die Final Girls, allen voran die Protagonistin Quincy, sind psychisch angeknackst. Manche klauen, andere verbarrikadieren sich, eine schlägt in einem Meer aus Talkshows und Buchveröffentlichungen Kapital aus ihren Erfahrungen. Schön ist diese Welt nicht, und als sich Anzeichen häufen, dass es mit diesen Schlachtereien noch nicht vorbei sein kann, werden die Final Girls misstrauisch.

Sind es verwirrte Fans, sadistische Verehrer oder sogar die Mörder von damals, die den Frauen wieder auflauern? Als eine der drei Frauen urplötzlich ermordet wird, tun Quincy und das dritte Final Girl sich zusammen und machen sich auf die Suche nach dem Killer.

Sagers Roman beginnt wie ein Thriller, weist im weiteren Handlungsverlauf aber immer mehr Merkmale eines klassischen Slashers auf. Hommagen an die großen Filme sind erkennbar, aber nicht störend. Die Geschichte um ein paar wenige, dafür gut ausgefeilte Charaktere ist quirlig, mit vielen Wendungen und einer angenehmen Menge Gore.

Die Stärke von Final Girls liegt hauptsächlich in seiner unvorhersehbaren Handlung. Der Leser wird auf eine Fährte gelockt, die alsbald abbricht. Mal vermutet man den Freund der Protagonistin, der stellt sich in einer lapidaren Nebenbemerkung wiederum als völlig harmlos heraus. Ist es doch das seltsame dritte Final Girl? Nein, die Protagonistin war die ganze Zeit schon so merkwürdig, könnte da nicht…?

Bis der Leser alle Informationsfetzen zu einem großen Ganzen gesetzt hat, ist der kurzweilige Roman auch schon vorbei und vorzüglich aufgelöst worden. Und natürlich fühlt man sich an Genregrößen wie Karin Slaughter erinnert. Natürlich hätte alles noch viel größer, effektvoller und dramatischer sein können. Wir hätten uns etwas mehr Trash gewünscht — ein wenig mehr Selbstironie, literarisches Kunstblut und ein paar mehr markige Sprüche.

Aber Final Girls erreicht mit wenigen Mitteln erstaunlich viel. Ohne viel Pathos zu erzeugen, macht er seine Charaktere lebhaft und sympathisch, seine blutigen Szenen sind angenehm packend und die vielen Wendungen wohldosiert und effektiv.

Endlich mal wieder frischer Wind im angestaubten Slasher-Genre — Wir geben eine klare Kaufempfehlung für Final Girls!

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