Zwielicht 3

Originaltitel: Zwielicht 3
Autor: Michael Schmidt (Hrsg.); Antje Ippensen, Marcus Richter, Abel Inkun, Dominik Grittner, Rainer Innreiter, Torsten Scheib, Jakob Schmidt, Christian Endres, Michael Schmidt, Lothar Nietzsch, Christian Weis, Michael Siefener, Achim Hildebrand, Merlin Thomas, Algernon Blackwood, Oliver Kotowski, Daniel Neugebauer, Mirko Stauch, Björn Ian Craig, Eric Hantsch, Elmar Huber, Malte S. Sembten, Lothar Bauer, Lee Brown
Genre: Anthologie (Horror, Thriller, Mystery, Western, Artikel)
Umfang: 421 Seiten
Veröffentlichung: 01.08.2013
Verlag: Saphir im Stein, Verlag Erik Schreiber

Zwielicht 3 (auch: Zwi3licht) ist der dritte Teil einer Anthologiereihe, die 2009 und 2010 mit dem Vincent Preis ausgezeichnet wurde. Er beinhaltet sechzehn abwechslungsreiche Geschichten und mehrere Artikel im Anhang, die sich mit dem Horrorgenre auseinandersetzen.

Die Geschichten sind dabei natürlich das Kernstück, auf den ersten 320 Seiten wechseln sich Schreibstile, Szenarien und Genres im rasanten Tempo ab. Es gibt kein übergeordnetes Thema, welches die Geschichten miteinander verbinden würde. Aber das ist nicht allzu schlimm, denn die Themen sind meistens sehr interessant und haben wenig mit gängigen Horror- und Splatterklischees zu tun. Mal werden Magdeburger Studentinnen von einem Verrückten unter Drogen gesetzt, ein Kommissar muss sich in Mecklenburg einer Sekte zur Wehr setzen oder ein biederer Beamter will seinen Bürokollegen ruhigstellen.

Grundsätzlich ist die Stimmung in den Geschichten sehr düster, ab und zu lockern lustige Episoden das Geschehen aber auf. Die Autoren, die fast alle aus Deutschland kommen, haben teilweise sehr gute Ideen und setzen diese geschickt um. Es ist angenehm, Geschichten zu lesen, die mal in der norddeutschen Einöde oder im westdeutschen Spiesserhaushalt spielen. Amerikanische und Englische Horrorgeschichten, beispielsweise die von Clive Barker oder Stephen King, mögen mit mehr Routine und überhaupt besser geschrieben sein, können sich aber nicht immer aus altbekannten Klischees befreien. Dem wird hier Paroli geboten.

Die Artikel machen einen kleinen Teil des Buches aus, lesen sollte man sie, wenn man sich für die Themen interessiert (u.a. H.P. Lovecraft; „Der Wald als Ort des Bösen im Horrorfilm“). Ich persönlich war nun aber eher an den Geschichten interessiert, und sie bilden alleine schon eine komplexe Anthologie.

Kritisieren muss man, dass sich die Geschichten teilweise schwierig lesen. Manche sind sehr langsam und schwermütig geschrieben. Das was Amerikanische Autoren an Lockerheit aufbringen, sucht man hier vergebens. Zudem schwankt die Qualität der Geschichten, was aber normal für eine Anthologie ist. Auch die wechselnden Szenarien machen das Lesen nicht immer einfacher, da sich mal eine moderne mit einer Westerngeschichte abwechselt, was nicht immer passend erscheint. Ich habe unter den 16 Geschichten vier Highlights gefunden, von deren Qualität ich wirklich angetan bin. Die anderen habe ich dann zumeist gerne gelesen, ein paar haben mir aber nicht gefallen.

Viele gute, ein paar weniger gute Geschichten, die aber allesamt mit Herzblut geschrieben worden sind und denen immer eine interessante Idee zugrunde liegt. Dazu einige Artikel zum literarischen und filmischen Horrorgenre. Von den vielen Horror-Anthologien, die in Deutschland erscheinen, ist die Zwielicht-Reihe eine der besten. Zwar sind diese Kurzgeschichten etwas schwieriger zu lesen als die der großen Amerikanischen Autoren, aber wer Lust auf experimentelle und teilweise sehr gruselige Geschichten aus Deutschland hat, sollte hier zugreifen!

Zwielicht 3 ist als Taschenbuch und bei Amazon als Kindle Version verfügbar.

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