Stadtknechte

Originaltitel: Stadtknechte
Autor: Richardt Arwin
Genre: Hard-Boiled Thriller / Horror
Umfang: 166 Seiten
Veröffentlichung: 01.10.2019
Verlag: Amazon / Stadtknecht Produktion

Ende 2018 rezensierten wir das schaurig-bekloppte Werk „Der 102-jährige, der eine Frau zu Tode bestieg, sie aus dem Fenster warf und mit seinem schwulen Enkel verschwand“. Das hat Spaß gemacht und deshalb nehmen wir uns dem neuen Thriller Richardt Arwins an.

„Stadtknechte“ spielt in Berlin. Jeder ist hier wahnsinnig – Nazis, Kleinkriminelle, Tiere und Transgender-Ideologen kämpfen um Geltung in einer vor Blut triefenden, grausamen Stadt. Mittendrin steht Michael, der versehentlich einen Neonazi beklaut und fortan von dessen Kollegen gejagt wird. Prügeleien, Schusswechsel, Hardrock und Alkohol wechseln sich in einem schwindelerregenden Tempo ab – und man wird Teil des Gewaltrauschs.

Doch immer wählt Arwin Passagen zur Entspannung. Schöne Frauen und ein bisschen Liebe finden ihren Platz inmitten der Hasstour, durch die die Protagonisten geschleudert werden. Die Freundin des Nazi-Patriarchen, Katharina, sucht ihren Weg in die Freiheit heimlich und leise, um zur eigentlichen Heldin des Stücks zu werden.

Hintergründig scheint es um das Leben am Rand der deutschen Gesellschaft zu gehen – fernab von Gentrifizierung, schicker Mittelschicht und Bildungsbürgertum. Hier wird noch mit der Faust gefochten, die Feder vom Schwert zerstückelt. Ständig versuchen die Protagonisten, richtig zu handeln. Doch in dieser Welt gibt es kein richtig oder falsch. Es zählt der Kampf als inneres Ereignis, der Sieg als Garant für die Rechtfertigung des eigenen Handelns. Grausig vielleicht, und brutal. Doch es ist ein erschreckend nüchternes Statement in einer Welt, die sich mit Sprachzensur und mahnhafter Moralisierung etwas vormacht: nämlich, dass es so etwas wie ein Rezept gäbe, um ein guter Mensch zu werden. Arwin zufolge gibt es das Rezept genau so wenig wie den guten Menschen selbst.

Und dann ist da der Humor. Wie solche Ideen zustande kommen, ist fragwürdig. Da ist der versoffene Neonazi Daniel, der einen russischen Oligarchen bestehlen soll. Doch bevor er auch nur Teile seines Plans in die Tat umsetzen kann, verhaspelt er sich in einer Diskussion mit dem rassistischen Papageien des Hausherrn. Wie der Schlagabtausch und alsbald die Schiesserei zwischen Nazis und Papageien aussehen, erfahrt Ihr hier. Und es lohnt sich!

„Stadtknechte“ ist ein knallharter Thriller mit düsteren, fast horrorartigen Passagen. „Blut, Bier, nackte Frauen und laute Musik“ werden hier angepriesen – und davon bekommt man jede Menge!

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Hier kannst du deine Meinung mit unserer Community teilen. Denk bitte daran, dass wir alle Kommentare vor der Freischaltung überprüfen und beleidigende oder unangebrachte Kommentare löschen.

Wir nehmen den Schutz deiner Daten sehr ernst und speichern deshalb im Zusammenhang mit der Kommentarfunktion keine personenbezogenen Daten. Weitere Informationen dazu kannst du unserer Datenschutzerklärung entnehmen.