15.04.2021 / 7:25 Uhr

Der FESTA-Autor "Matt Shaw" im Interview über seine degoutanten Romane und sein Leben

Der englische Schriftsteller Matt Shaw gehört zur Garde der jungen und extremen Horror-Autoren. Seine Thriller wie Perverse Schweine, Monster und das zuletzt veröffentlichte Buch Was ist Dein Preis, gehen an die Grenzen des unvorstellbaren. Hierzulande können deutsche Leser und Leserinnen einige seiner Werke beim FESTA –Verlag käuflich erwerben. Im Interview mit Scary-Movies.de spricht der Horror-Autor über seinen Bezug zu seinen Büchern und deren degoutante Inhalte.

Du bringst in regelmäßigen Abständen neue Horrorbücher hervor, die in der Grundthematik allerdings ziemlich verschieden sind. Gibt es für Dich eine Quelle der Inspiration?

Die Leute fragen mich oft, woher meine Geschichten kommen, aber sie fallen mir einfach so ein. Ich könnte mich mit jemandem über etwas völlig normales unterhalten – und dann taucht dieser seltsame Gedanke einfach auf. Ich bin mir nicht sicher, warum, aber ich hinterfrage das nicht allzu sehr.
An den Tagen, an denen mir nichts einfällt, schaue ich mir einen Film an. Ich sitze einfach nur da und ehe ich mich versehe, habe ich eine neue Geschichte.

Wie und an welchen Ort kannst du am besten schreiben?

Es gibt kein festes Muster. Ich schreibe, wann immer mir danach ist. Normalerweise im Wohnzimmer, mit den Füßen auf dem Couchtisch, umgeben von Schokoladenverpackungen und Junkfood. (Ich bin so gesund)
Aber ganz ehrlich – ich kann überall schreiben. Ich habe normalerweise immer mein Notizbuch und meine Stifte dabei. Selbst als ich im Auftrag von Festa nach Deutschland kam, war ich, wenn ich in mein Hotelzimmer zurückkam, völlig fertig und saß trotzdem noch auf dem Bett und kritzelte Notizen, bis ich einschlief. (was nie lange dauerte)

Was machst du, wenn du mal nicht schreibst? Wie sieht der Alltag eines Horror-Autors aus?

I get up around 7, get outta bed around 9…. Oh warte, das ist ein Guns N Roses Songtext. Ich stehe gegen 9 Uhr auf und sitze dann den größten Teil des Tages, mit meinem Laptop auf dem Schoß. Ich surfe in den sozialen Medien, chatte mit Freunden und schaue im Hintergrund fern. Gelegentlich entscheide ich mich für einen Spaziergang oder lerne weiter Gitarre. Es ist schon lustig – ich kann keine Gitarre spielen, aber ich kaufe sie mir immer wieder! Ich habe mir letztens eine Limited Edition Martin DX und eine Les Paul gekauft. Sie sehen hübsch aus, wenn sie da stehen, aber es wäre schön, sie zu spielen (ich lerne langsam).
Leider ist alles, was ich wirklich tue, sitzen und schreiben! Das ist mein Leben!

Folter, Ekel und tiefschwarzer Humor gehören in deinen Büchern zum guten Ton. Schon einmal mit den Gedanken gespielt ein Kinderbuch zu veröffentlichen?

Ich habe Kinderbücher unter dem Pseudonym Mr. E. Scares veröffentlicht. Bücher wie die „Chills & Thrills“-Trilogie, „The Boy With The Golden Pen“ und „The Vampire’s Treaty“, habe ich wirklich gerne geschrieben. Allerdings habe ich meinen Platz in diesem Genre noch nicht wirklich gefunden. Wenn mir mal wieder langweilig wird, werde ich sicher noch ein paar mehr schreiben.

Du hast in der Vergangenheit bereits mit namenhaften Autoren wie Wrath James White und Michael Bray zusammengearbeitet. Wie kann man sich so eine Kooperation vorstellen? Schreibt man sich da eine SMS und stellt klar, man schreibt jetzt ein Buch zusammen?

Wrath ist auf meiner Kurzwahltaste, weil ich ihn tatsächlich als Auftragskiller für Leute benutze, die mir Ein-Stern-Bewertungen hinterlassen. Ich rufe ihn einfach an, bezahle ihm Geld und er geht herum und „sortiert sie für mich aus“. Okay, das war eine Lüge. Bei Wrath war es buchstäblich ein Fall, in dem ich ihn ansprach und ihn fragte. Als ich das tat, hätte ich ihn nicht wirklich als „Freund“ bezeichnet, weil ich ihn nicht sehr gut kannte. Ich war überrascht (und geschmeichelt), als er ja sagte! Seitdem habe ich Wrath (und seine Frau) ein paar Mal getroffen und ehrlich gesagt, ich liebe sie verdammt noch mal. Sie sind so ein echtes, freundliches Paar. Es ist lustig, denn bevor ich Wrath traf, hatte ich eigentlich „Angst“ vor ihm. Nicht, weil er ein Monster ist. Es ist nur so, dass er sehr wortgewandt ist und seine Gedanken von hohem Intellekt sind, während ich sage, was mir durch den Kopf geht und etwas grob bin. Ich dachte, er würde mich in Stücke reißen, aber nein, er ist ein sehr liebenswerter Kerl.

Und bei Mik. Der kam tatsächlich auf mich zu, nachdem ich einen Aufruf veröffentlicht hatte, in dem ich nach weiteren Autoren suchte. Er meldete sich und zu diesem Zeitpunkt hatte schon von ihm und seiner Arbeit gehört. Also wäre es unhöflich, es nicht zu tun! Wir haben ART in etwa einer Woche geschrieben. Es war derselbe Prozess wie bei Wrath. Ich schrieb ein Kapitel, schickte es ihm. Er schrieb ein Kapitel, und schickte es mir zurück. Und so geht es immer weiter, bis das Buch fertig ist.

Du publizierst deine Bücher selbst. Welche Vorteile siehst Du im Selfpublishing?

Ich wähle aus, mit wem ich zusammenarbeite. Ich lege meine Preise fest, ich wähle meine Veröffentlichungstermine, ich wähle meine Inhalte und ich kontrolliere alle meine Rechte. Ich arbeite dafür hart und jongliere viel mit der Materie herum, aber ich bereue nichts. Ich meine – jetzt, wo ich mich hochgearbeitet habe – warum sollte ich einen englischen Verlag dafür bezahlen, meine Arbeit zu veröffentlichen und einen Anteil zu nehmen, wenn ich es einfach selbst tun kann? Bei ausländischen Verlagen ist das anders, denn sie helfen mir mit Übersetzungen und stellen mich ihrem Publikum vor (wie zum Beispiel der Festa Verlag).

Wie siehst du den E-Book-Markt? Erreicht man dadurch eventuell mehr Personen, die mit den guten gedruckten Büchern zuvor nichts anfangen konnten?

Darum brauch ich mich nicht wirklich bemühen. Da bin ich ziemlich entspannt. Bei meiner Arbeit läuft es eher über Mundpropaganda. Gelegentlich mache ich einen Facebook-Post. Aber ehrlich gesagt bin ich zu sehr damit beschäftigt, am nächsten Buch zu arbeiten, um mich um das neue Buch zu kümmern. Ich bringe ein Buch im Monat heraus. Ich poste es in ein paar Gruppen und dann lasse ich es einfach sein Ding machen. Das mag seltsam klingen, aber genau das habe ich mit Sick B*stards gemacht und es ging über Nacht weg. Ich habe es überhaupt nicht vermarktet und es trotzdem geschafft, meinen Job dafür zu kündigen. Das ist also genau das, was ich tue… Ich schreibe für mich und weil ich schreiben muss, um gesund zu bleiben, und dann veröffentliche ich die Bücher und mache mit der nächsten Geschichte weiter.

Fans von dir wissen, dass du ein großer Fan der Nightmare on Elm Street-Filme bist. Gibt es auch einen aktuelleren Horrorfilm, der dich in deinen Bann gezogen hat? Und einen Film der dich an deine Grenzen gebracht hat?

Horrorfilme sind für mich meistens eine Enttäuschung. Ich schaue sie in der Hoffnung, mich zu erschrecken, aber – sie erschrecken mich nie. Die meisten langweilen mich. Davon abgesehen habe ich The Dark and The Wicked gesehen und das war ein fantastischer Film. Ein paar unangenehme Szenen waren dabei, ganz klar. Ich mochte Nightmare, als ich jünger war (und deshalb habe ich den Fan-Film Up All Night gemacht, den es kostenlos auf YouTube gibt), aber wenn ich sie mir jetzt ansehe, sind sie ziemlich öde, oder? Ich will einfach, dass ein Horrorfilm mich packt und mir Angst macht, aber das tun sie einfach nicht! Ich meine, scheiß drauf, ich habe A Serbian Film gesehen und war starr vor Langeweile. Ich dachte, Human Centipede wäre eine Komödie. Ich saß nur da und dachte: ‚Das Mädchen ist irgendwie heiß, ich hätte nichts dagegen, wenn mein Gesicht an ihren Arsch genäht wäre, ich würde es den ganzen Tag lang machen.

Außerdem muss ich sagen, dass mich Filme, die auf Jump-Scares setzen, nerven. Das ist nur ein billiger Trick, um dir „Angst“ zu machen, aber du hast nicht wirklich Angst. Meine liebste Art von Horror ist übernatürlicher Horror. Natürlich mag ich auch Serienkiller, aber das Übernatürliche macht viel mehr Spaß.

Welche Bücher hast du in letzter Zeit gelesen?

Ich lese sehr, sehr selten. Wenn ich lese, dann sind es Autobiografien von Leuten, die ich bewundere (wie Billy Connolly). Ich lese nie Horror, weil ich nicht will, dass es meine eigene Arbeit beeinflusst. Kürzlich habe ich David Attenboroughs neuestes Buch über den Planeten gelesen! Deprimierend, aber interessant.
Das Problem ist allerdings, dass ich immer, wenn ich mich hinsetze, um zu lesen, denke, dass ich eigentlich arbeiten sollte, so dass ich mich nicht wirklich entspannen kann. Ich lande dann beim Schreiben.

Stichwort Filmzensur: Leider kommt es immer wieder vor, dass Filme nur in zensierter Form veröffentlicht werden. Da die Vorstellungskraft des Menschen grenzenlos ist, müsste man kritisch gesehen ja dann auch einige explizite Passagen aus Büchern streichen. Wie ist deine Einstellung zur Zensur?

Scheiß auf die Zensur! Deshalb bin ich dem Verlag Festa dankbar. Dieses starke Team nimmt Bücher, die als grausam gelten (Edward Lee, Jon Athan, Wrath James White, etc.) und sie veröffentlichen die Werke in ihrer vollen Pracht und geben ihnen fantastische und manchmal grausame Cover und die Leute lieben es! Sie wissen, was sie bekommen, wenn sie ein Buch aus der Reihe kaufen. So sollten alle Unternehmen arbeiten. Sie sollten sich den Festa Verlag ansehen und als Vorbild nehmen. Denn die Wissen was sie tun!

Gibt es für dich Themen und persönliche Grenzen, die du beim Schreiben niemals überschreiten würdest?

Es ist mein Job, über alles Mögliche zu schreiben. Aber im Gegensatz zu einigen extremen Horror-Autoren, schreibe ich Horror mit einem Inhalt. Es kotzt mich an, wenn man einen Autor hat (und ich werde diesen Typen nicht nennen), der einfach eine ekelhafte Szene nach der anderen schreibt, aber keine Geschichte dazu. Das ist langweilig. Es desensibilisiert die Leute. In diesem Sinne: Solange der Horror einen Sinn hat, ist nichts tabu. Erst neulich habe ich über einen Typen geschrieben, der seinen Mops tötet (und ich habe einen Mops!).

Immer wieder werden Bücher als Vorlage für Filme genutzt. Dabei kommt es nicht selten zu Enttäuschungen. Deine Horror-Novelle Monster hast du vor ca. 3 Jahren auch verfilmt. Bist du mit deinem Werk am Ende zufrieden? Und war es schwer, den Spagat zwischen Buch und Film zu meistern?

Ich bin mit MONSTER zufrieden. Ist es ein perfekter Film? Nein, verdammt! Aber es war mein erster Film! Ich habe mir den Arsch aufgerissen, und wir haben ihn in 8 Tagen gedreht. Man muss halt immer daran denken, dass beim Schreiben eines Buches das Budget für die Geschichte unendlich ist. Wenn man allerdings einen Film macht, ist das Budget sehr knapp!
Andererseits haben wir gerade auch BOX gedreht (basierend auf einer anderen meiner Geschichten) und ich finde den Film besser als das Buch!

Drei Dinge, die wir noch nicht über dich wissen. Und du darfst uns gerne schocken!

1. Ich habe mir die Eier an einer Ziegelmauer aufgeschlagen, als ich jünger war. Sie verheilten ganz gut.

2. Ich habe ein paar Mal versucht, mich umzubringen, habe es aber nie geschafft (wenn Sie unter Depressionen leiden, sprechen Sie bitte mit jemandem darüber).

3. Ich bin eigentlich ein schüchterner Typ, obwohl mein Äußeres etwas anderes vermuten lässt.

Vielen Dank für das Interview!

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